
Stockholm, Sweden
In seinem Artikel mit dem Titel “Schweden entdeckt die Rechenzentren” in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift Data Center Dynamics FOCUS nimmt Yevgeniy Sverdlik das attraktive Angebot der schwedischen Behörde Invest in Sweden Agency (ISA) für Rechenzentren unter die Lupe. Das Land rühmt sich seiner Fernheiz- und -kühlsysteme, die es den Kunden ermöglichen, die Energie ihrer Abwärme in das System einzuspeisen und sie gegen Kühlenergie zu tauschen. IBM ist eines jener Unternehmen, die sich dieses System zunutze machen. Dabei verwendet es seine Abwärme zum Heizen seines eigenen Gebäudes und verkauft seinen Wärmeüberschuss in Form von Warmwasser an das Energieversorgungsunternehmen zurück. Das Energieversorgungsunternehmen Fortum verwendet ungefähr von Januar bis August Meerwasser zur Kühlung. Das Unternehmen liefert das Kaltwasser mit einer Temperatur von 6 °C (43 °F). Vor Kurzem stellte Fortum ein Wärmespeicherwerk mit einer Speicherkapazität von 40 MW in einem Berg fertig. Durch die Nutzung seiner kalten Umgebungstemperatur kann Fortum einigen seiner schwedischen Kunden einen Heiz- und Kühlwert bieten, der wesentlich besser als in anderen Zonen Europas ist.
Tieto, einer der führenden Besitzer und Betreiber von Rechenzentren in Skandinavien, nutzt die Umweltbedingungen Schwedens ebenfalls für mehr Energieeffizienz und Kosteneinsparungen. Tieto baut gerade ein Rechenzentrum in einer Höhle. Das Rechenzentrum, dessen Eröffnung für April 2010 geplant ist, verwendet zur Kühlung die meiste Zeit des Jahres hindurch die Außenluft sowie die langen Tunnel der Höhle. Im Sommer setzt das Unternehmen Kühler zur Unterstützung der Kühlung ein. Wie IBM hat auch Tieto vor, die Wärme zum Heizen des Höhlenwerks zu verwenden und den Wärmeüberschuss an das Versorgungsunternehmen zu verkaufen.
Eine weitere Möglichkeit zur Nutzung von kalten Klimabedingungen ist die Verwendung von Wassertauschsystemen zur Kühlung von Rechenzentren. Ein Wassertauschsystem versorgt flüssigkeitsgekühlte Gehäuse mit temperaturgesteuerter Kühlflüssigkeit. Die Kühlung wird durch einen separaten Werkswasserkreislauf bereitgestellt, der durch die Umgebung gekühlt werden könnte.
Natürlich können nicht überall Höhlen zum Kühlen oder für Fernheizsysteme genutzt werden, aber es ist sehr wohl möglich, überall nach neuen innovativen Möglichkeiten zur wirksameren Flüssigkeitskühlung von Rechenzentren zu suchen. Bei den hohen Kühlkosten, die für ein Rechenzentrum anfallen, zahlt es sich allemal aus, sich bei der Auswahl eines geeigneten Kühlsystems die Zeit zu nehmen, die notwendig ist, um sicherzugehen, dass die gewählte Kühllösung auch wirklich jene ist, die auf lange Sicht am wirtschaftlichsten und benutzerfreundlichsten ist.




